Fett abtrainieren?

Wohl jeder, der einmal ein Fitnessstudio betreten hat, kennt das Bild: Hausfrauen sitzen gelangweilt und gähnend auf Cardiogeräten oder mühen sich an den Maschinen für Adduktoren und Abduktoren ab. Was sie dort machen? Na ihre Fettpölsterchen an den Oberschenkeln abtrainieren. Aber blos nicht zu hart trainieren, denn der Puls zum Fett abbauen liegt ja bei ...schnarch... 120/min.

Woher sie diese Weisheiten haben? Im schlimmsten Fall von einem der netten und gut aussehenden Fitnesstrainer; im allgemeinen aber aus dem alltäglichen Bildungsfernsehen und der Werbung. Denn die Sportartikel- und Ernährungsindustrie generiert enorme Umsätze mit den Figurproblemen leidender und ahnungsloser Frauen & Männer und verbreitet in eigenem Interesse die für sie gewinnbringendsten Trainigsweisheiten.

Beispiel Trainingspuls:
Zunächst soll man einen Trainer oder die passende Lektüre benötigen, um seinen persönlichen, für den Fettabbau optimalen Trainingspuls zu bestimmen. Um diesen jederzeit kontrollieren zu können, benötigt man natürlich eine Pulsuhr. Da einfaches Joggen oder Fahrrad fahren zu anstrengend und alles andere als zeitgemäß ist benötigt man mindestens ein paar Nordic Walking Stöcke und die passende Bekleidung dazu. Was ist dran? Es ist richtig und wissenschaftlich bewiesen, dass es eine Trainingsintensität gibt, bei der der Fettabbau am effektivsten stattfindet. Das heißt aber nur, dass in diesem Bereich anteilig am meisten Körperfett für die Energiegewinnung herangezogen wird. Bei höherer Intensität ist dieser Anteil zwar geringer, der Energiebedarf aber deutlich höher und damit absolut gesehen auch der Abbau von Fett größer.

Ein weiterer weit verbreiteter Mythos ist der Glaube daran, mit bestimmten Übungen (Situps, Bauch-Beine-Po, pipapo) an ganz bestimmten Stellen Fett abtrainieren zu können. Einige, die sich ein wenig besser auskennen reden dabei auch von lokalem Fettabbau und andere, die sich noch ein weniger besser auskennen wissen, dass es diesen nicht gibt. Unser Körper funktioniert bei der Fettspeicherung so ähnlich wie ein Stapel oder ein Keller. Was man als erstes hinein wirft, holt man auch als letztes wieder heraus. Fangen wir an abzunehmen, dann immer dort wo wir zuletzt zugelegt haben. Die letzten Reserven dagegen schleppen wir meist schon ewig mit uns herum und stellen sich als besonders hartnäckig heraus, die allseits bekannt und geliebten Problemzonen. Nicht umsonst nennt sich einer der beliebtesten Kurse Bauch-Beine-Po. Wo die Damen des Kurses ihr Fett abtrainieren, muss aber nichts mit dem Namen gemein haben. Was wann und wo im Körper abgelegt wird kann nicht beeinflusst und nicht vorhergesehen werden und ist i.d.R. genetisch festgelegt. Der eine kriegt einen fetten Hintern, der andere eine dicke Plautze.

Fett abtrainieren... wie denn jetzt?

Ob mit Pulsuhr, Stöcken, grünem Hemd, liegend, hüpfend, drinnen oder draußen, jede Form von Sport oder Bewegung erhöht den Energiebedarf und trägt damit zum Abnehmen bei (ganz nebenbei haben sportliche Ertüchtigungen noch jede Menge anderer positiver Einflüsse auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden). Wenn die diversen Utensilien und Trends einen Sinn haben, dann ist es die Motivation, die sie auf die Käufer ausüben etwas mehr Sport zu treiben. Dennoch bleibt das einzig relevante Kriterium zum Fettabbau die Energie- bzw. Kalorienbilanz. Mehr zum Thema Abnehmen